Evotec SE

Spekulationen und neues Personal bringen Rückenwind für Evotec

Die Hamburger Evotec SE lässt das Personalkarusell sich kräftig drehen. Doch die Einstellungen sind nur der eine Teil, der für frischen Wind bei dem Wirkstoffentwickler sorgen soll. Zudem mischt sich ein aktivistischer Investor in die Strategie ein und wünscht eine Abspaltung der lukrativen Produktionssparte Just Evotec Biologics. Ob das im Sinne des Unternehmens ist, bleibt die Frage, dass Evotec überhaupt wieder Gesprächsstoff liefert, dürfte aber hochwillkommen sein.

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Statt monatelanger Sendepause hat man nun fast täglich Neuigkeiten des Hamburger Wirkstoffforschers Evotec zu verarbeiten. In schneller Taktung sind dies einerseits etliche Personalmeldungen, die in der Führungsebene und an der Spitze des Aufsichtsrates für neue Köpfe, neue Ideen und damit frischen Wind sorgen sollen. Aber es verdichten sich derzeit mehrere Entwicklungen, die das Unternehmen nach einem schwierigen Jahr wieder dynamisieren sollen – nicht alles davon ist vielleicht ganz nach dem Wunsch der Unternehmensführung. Denn neben einem laufenden Restrukturierungsprogramm und einer Reihe von Personalwechseln sorgt insbesondere der Einfluss eines aktivistischen Großaktionärs für zusätzliche Dynamik von außen.

Investor will Abspaltung von Just Evotec Biologics

Mit MAK Capital hat sich ein Investor mit rund sieben Prozent Anteil klar positioniert und fordert vernehmbar eine strategische Neuausrichtung. Im Fokus steht dabei die US-Tochter Just – Evotec Biologics, die sich zuletzt als wachstumsstarker und profitabler Unternehmensteil erwiesen hat. Eine mögliche Abspaltung oder ein Börsengang der Einheit wird am Markt zunehmend diskutiert, auch wenn das Management hierzu bislang keine konkreten Schritte angekündigt hat.

Parallel dazu befindet sich Evotec operativ in einer Phase der Konsolidierung. Das Restrukturierungsprogramm „Horizon“ sieht einen deutlichen Stellenabbau sowie eine Verschlankung der globalen Standortstruktur vor. Ziel ist es, mittelfristig Kosten zu senken und die Profitabilität zu steigern. Kurzfristig bleibt die Ergebnisentwicklung jedoch gedämpft und eher in einer Seitwärtsbewegung gefangen.

Unterstützt wird die Situation durch zusätzliche Liquidität, unter anderem aus Beteiligungserlösen wie dem Verkauf von Tubulis an Gilead Sciences, der in der ersten Tranche gute 100 Mio. Euro einbringen soll. Zuvor brachte bereits eine Beteiligung an der britischen Dark Blue Therapeutics, die von Amgen übernommen wurde,  Millionen für Evotec – weitere Meilensteine könnten weitere Geldflüsse erbringen. Gleichzeitig oder deswegen hat sich die Aktie zuletzt von ihren Tiefständen erholt, was auch auf die gestiegene Visibilität durch die strategischen Diskussionen zurückzuführen sein dürfte. Es gilt in dem Falle wohl, besser irgendwelche Spekulationen kursieren als ein gähnendes Nichts, das vor allem die Zweifel an einem gelingenden Turnaround wachsen lässt.

Neue Köpfe bringen frischen Wind

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen mehrere personelle Veränderungen in der Führungsebene, zuletzt die Berufung eines neuen Chief Commercial Officers, die Ankündigung eines neuen Aufsichtsratsvorsitzenden, der als Bayer-Veteran große Branchenerfahrung mitbringt, und ganz aktuell noch mit Dr. Ingrid Müller eine neue COO, die den länger vakanten Posten mit viel Erfahrung aus ihrer Zeit bei CureVac, Sanofi und Fresenius Kabi anreichern dürfte. Dies wertet der Markt als Signal für einen strategischen Neustart  – ein Schritt, der nach den Herausforderungen der vergangenen Monate vielfach auch als notwendig angesehen wird.

Bis zur Hauptversammlung im Juni wird entscheidend sein, ob es dem Management gelingt, die verschiedenen Interessen zusammenzuführen und eine klare Perspektive aufzuzeigen. Für das tägliche Kursbarometer sind die vielen Neuigkeiten nur kleine Impulse, die sich mittelfristig als stabil erweisen müssen. Auch die spekulative Phantasie rings um einen aktivistischen Aktionär bringt zwar positive Bewegung, wenn man dabei aber die Kontrolle verlieren sollte, kann dies auch schnell ins Negative umschlagen. Die Kombination aus internem Umbau und externem Druck deutet jedenfalls darauf hin, dass sich Evotec in einer Phase grundlegender Weichenstellungen befindet. Dabei weist der Trend derzeit wieder nach oben.

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